InteGREATer unterwegs! – Lisa in Dänemark

Die Tatsache, dass ich mein Masterstudium in Dänemark absolviere, versetzt irgendwie alle ins Staunen. Dabei gibt es so viele gute Gründe, an diesem wunderbaren Ort zu studieren!

Der Entscheidung, in welchem Land man sein Studium absolviert, sollte man mehrere Kriterien zugrunde legen. So zum Beispiel: Wie viel betragen die Studiengebühren? Wie einfach ist es, sich in dem Land zurecht zu finden ohne die Sprache zu beherrschen? Wie ist das akademische Niveau der Lehre? Schließlich haben wir in Deutschland auch viele gute Unis und wenn man schon das Land verlässt, dann möchte man nicht „downgraden“ 😉

Ursprünglich bin ich auf Dänemark bzw. auf Skandinavien aufmerksam geworden, weil das Studium für EU-Bürger dort absolut kostenlos ist. Dann habe ich mich nach dem Studienangebot erkundigt und festgestellt, dass praktisch jeder denkbare Studiengang auf Englisch zu finden ist. (Für die BWL-Studenten unter den Lesern wird es interessant sein, dass man in Dänemark keinen GMAT braucht – ganz im Gegensatz zu Schweden.) Die Auswahl ist wirklich immens, was aber eigentlich nicht überraschend sein sollte, da die Einwohner Skandinaviens allgemein für ihr gutes Englisch bekannt sind. Daraus resultiert dann auch, dass man dort problemlos wohnen kann ohne zwingend die Sprache lernen zu müssen. Dänisch ist dem Deutschen zwar sehr ähnlich, aber dafür umso schwerer zu lernen, weil es viele „false friends“ gibt. Der Staat finanziert jedoch jedem internationalen Studenten zwei Jahre Dänisch Unterricht, sodass man auch hier unterstützt wird.

Wer sich jetzt denkt, dass Dänemark zu nah dran ist, um als Ausland zu zählen, irrt sich gewaltig. Trotz der geografischen Nähe bestehen klare Kulturunterschiede zu Deutschland, die sehr spannend zu entdecken sind. So war ich zum Beispiel positiv überrascht, wie informell und gelassen die Dänen sind. Während der Vorlesung ist es normal, sein warmes (!) Mittagessen aus der Mensa zu verspeisen und dazwischen Fragen an den Professor zu stellen und ihn dabei zu duzen. Eine Freundin hat einmal bei einer Klausur keinen Studentenausweis dabei gehabt. In den 15 Minuten, die ihr bis zum Beginn der Klausur blieben, konnte sie im Studierendensekretariat sich einfach einen neuen drucken lassen.

Dänen sind (zu Recht) sehr stolz auf ihr Land. Bei aller Hilfsbereitschaft sind sie etwas distanzierter, was man aber als Ehrlichkeit auslegen kann, denn ihre Freundschaft muss man sich erst verdienen. Sie trinken sehr gerne Bier und machen selten Überstunden bei der Arbeit. Vertrauen und Gleichheit konnte ich als zwei sehr wichtige Grundwerte des Landes identifizieren. In Dänemark ist es absolut überflüssig, in der Bibliothek sein Laptop anzuschließen und von einem daheimgebliebenen Mitarbeiter ein ärztliches Attest zu verlangen, ist schlechter Ton. Die Tatsache, dass Fahrradfahren so allgegenwärtig und für absolut jeden das selbstverständlichste Fortbewegungsmittel ist, zeigt nochmals, wie konsequent das Konzept der Gleichheit in diesem Land gelebt wird.

Interessant ist auch das Lehrmodell. Auswendiglernen ist verpönt! Wissen wird oftmals in 24- oder sogar 48-stündigen „home exams“ mit Verständnisfragen abgeprüft. Wikipedia ist da machtlos und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dieser Ansatz viel effektiver ist.

Dem allem muss man natürlich die hohen Lebenshaltungskosten gegenüberstellen. Eine Dose Nutella kostet in Dänemark locker mal 7 €. Jedoch kann man beim dänischen Staat finanzielle Unterstützung beantragen, wenn man einen Nebenjob von mindestens zehn Wochenstunden hat. Ehrlicherweise muss man hierbei anmerken, dass es ohne Dänischkentnisse nicht einfach ist, einen Nebenjob zu finden. Wer sich aber gut organisiert, mit Duolingo & Co im Voraus ein bisschen Selbststudium betreibt und dann den vorhin erwähnten Dänisch Kurs ernst nimmt, hat sicherlich gute Karten.

Ich hoffe, dass die Zahl der überraschten Wieso-ausgerechnet-Dänemark?-Frager-und Stirnrunzler sich um die Anzahl der Leser dieses Artikels verringert hat 🙂 Und wer sich nicht gleich auf ein ganzes Auslandsstudium festlegen möchte, der kann sich wahlweise eine Packung Lego, ein Vero Moda T-Shirt oder eine Portion Remoulade kaufen und sich aus der Ferne an Dänemark erfreuen.

Lisa, InteGREATerin