InteGREATer des Monats Juni – Baris!

Baris – InteGREATer des Monats erzählt seine Geschichte aus Australien!

„Obwohl nicht gerade türkisch und eigentlich perfekt integriert, wurde ich trotzdem immer wieder daran erinnert, dass ich ganz und gar nicht deutsch bin. Besonders stark habe ich das auf dem Gymnasium gespürt. Oft amüsierten sich Lehrer (!) und Schüler auf meine Kosten. Ich hatte mal eine 5 in Englisch und die Lehrerin tröstete mich mit den Worten: “Ist zu verstehen, Baris, es ist für dich schwieriger eine Sprache zu lernen. Du sprichst ja auch Türkisch und da kann man mal schon durcheinander kommen.” Rückblickend echt unglaublich. Meine Muttersprache ist Deutsch und auch wenn meine Eltern mit mir Türkisch gesprochen haben, antwortete ich immer auf Deutsch. Papa und Mama, war mir lieber als Baba und Anne. Meine Freunde waren deutsch, die Schule war deutsch, der Fernseher war deutsch – türkisch war nur das Essen zu Hause, mein Name und mein Aussehen.

Irgendwann mit 14 fing ich an zu rebellieren und ließ mir nichts mehr gefallen. Ich musste regelmäßig zum Direktor, Eltern riefen bei uns an und auf Unterricht hatte ich gar keine Lust mehr. Ich wurde genau zu dem „Türken“ den alle erwarteten. Mittlerweile hatte ich auch falsche Freunde außerhalb der Schule, meine Schulleistungen hatten stark nachgelassen und meine Eltern waren besorgt.

Um diese Entwicklung zu stoppen, wechselte ich auf Anraten meiner Eltern für einige Zeit die Schule. Nächster Halt: Istanbul. Mit 16 war ich dann Schüler an einer Anadolu Lisesi, mit Hunderten von Deutschländern, “Schwiizern” und “Össis”. Alle waren Rückkehrer mit türkischen Wurzeln. Das war vielleicht mit die beste Zeit in meinem Leben. Endlich konnte ich zu mir finden.

Zurück auf dem Gymnasium, als der stolzeste aller Türken, mit türkischer Flagge aufm Rucksack, ging auf dem Gymnasium überhaupt nichts mehr. So kam ich dann auf eine Gesamtschule. Die Gesamtschule war sehr international. Es war nicht wichtig, woher man ist, es war wichtig, wer man ist. Ich fühlte mich vom ersten Tag an wohl und hatte sofort deutsche wie türkische Freunde. Die Lehrer gingen mit den Schülern ganz anders um. Man merkte auf Anhieb, dass sie mit den verschiedenen Kulturen und Religionen vertraut sind. Sofort verbesserten sich meine Noten und ich war einer der Besten in der Klasse und später sogar der Beste im Abitur.

Nach meinem Zivildienst war ich an der FH in Ver- und Entsorgungstechnik eingeschrieben und dachte, ich mach dann mal weiter auf Streber. Mathe war immer mein Hassfach und ich hatte eine 4 im Abitur, aber in meinem Studienfach war es das A und O. Also musste ich alles fast von Null lernen und zum ersten Mal in meinem Leben, war intensives Lernen angesagt. Jeden Tag, 6-8 Stunden lernen, lernen, lernen. Meine erste Klausur war Mathe I. Die Durchfallquote war 86% und ich habe mit 50% bestanden. Nach 3.5 Jahren harter Arbeit war ich dann endlich fertig und super stolz, dass ich jetzt sagen konnte, dass ich Ingenieur bin. Klingt auch einfach cool 🙂

Meine erste Stelle hatte ich in Dortmund als Produktingenieur. Auf der Arbeit war es wieder wie auf dem Gymnasium. Jedenfalls kam dann die Wirtschaftskrise und mein Vertrag wurde nicht verlängert. Jobaussichten waren so gut wie gar nicht vorhanden.

Irgendwie kam ich dann auf die Idee ein Masterstudium in Amerika zu machen. Getrieben von Abenteuerlust und Fernweh, fing ich an mich im Internet zu erkundigen. Als ich über Australien gelesen hatte und seine Strände sah, war für mich klar, es geht nach Australien! Und hier bin ich heute.“