InteGREATer entdecken die Welt: Kerim schreibt aus Instanbul

Hallo liebe Integreater,

Ich grüße euch aus Istanbul. Ich bin jetzt fast einen Monat hier und habe viele neue Erfahrungen gemacht und würde diese gerne mit euch teilen.

Zunächst will ich auf meine ersten Eindrücke eingehen. Schon der Flug nach Istanbul war für mich eine neue Erfahrung und eine neue Entdeckung zugleich, denn ich bin noch nie vorher alleine geflogen. Aber ich lebe noch und habe alles richtig gemacht, hoffe ich zumindest…

Am Flughafen holte mich mein Onkel ab, den ich seit acht Jahren nicht gesehen hatte. Ich habe ihn sofort erkannt. In diesem Moment habe ich realisiert, dass ich jetzt in der Türkei bin und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Das bedeutete für mich, dass ich jetzt mehr oder weniger auf mich allein gestellt bin.

Am ersten Abend gab es dann das große Wiedersehen mit der ganzen Familie. Es war schön zu sehen, wie sich alle verändert oder entwickelt haben. Mein Onkel meinte zu mir, dass ich den ersten Abend bei denen bleiben soll. Ich lehnte die Geste nicht ab und war gespannt auf den nächsten Morgen. Denn ich konnte es nicht abwarten meine neuen WG- Mitbewohner, die ERASMUS- Studenten und die türkischen Studenten, kennenzulernen.

Nach dem Frühstück mit der Familie ging es am nächsten Morgen  zur Uni, da ich mich einschreiben wollte. Als ich dann vor der Uni war, bewachte die Security das ganze Gebäude. Ich war leicht überrascht. Ich nahm es hin und dachte mir: „Anderes Land, andere Sitten.“

Auf diesen Moment folgte schon die nächste Überraschung: Als ich in die Uni reinging, fühlte mich nicht wie an einer Uni sondern eher wie in einem Einkaufszentrum. Später erfuhr ich, dass das mal ein Einkaufszentrum sein sollte, aber zu einer Universität umfunktioniert wurde. Als ich dann mich einschreiben wollte, war die zuständige Person nicht vor Ort. Aber ich erfuhr, dass die ERASMUS-Studenten eine Bosporus-Tour mit dem Boot planten. Mein Cousin brachte mich anschließend an den Ort und in diesem Augenblick sah ich meine ERASMUS-Gruppe.

Obwohl ich aufgrund einer Klausur in Deutschland fast die ganze Einführungswoche in der Türkei verpasst habe und nur am letzten Tag die Möglichkeit hatte, mich den anderen Erasmus Leuten vorzustellen und sie auch kennenzulernen, haben sie mich überraschender Weise mit offenen Armen in der Gruppe aufgenommen.

Auf der Bootstour lernte ich auch schon die ersten Jura-Studenten kennen, die aus dem Ausland kamen, es waren zwei Griechinnen und ein Deutscher. Aber wie ich erfuhr, hatten sie nicht viel Organisatorisches geklärt. Nebenbei bemerkt war die Bootstour ein schönes Erlebnis und ich kann es nur jedem Empfehlen, der nach Istanbul kommt.

An diesem Abend lernte ich auch meine Mitbewohner kennen, die auf einer Wellenlänge mit mir sind. Ich hoffe und denke, dass man mit denen fünf Monate zusammenleben kann.

An den darauffolgenden Tagen ging ich an die Uni, um mich einzuschreiben und um meine Kurse zu wählen. Auch hier ging es drunter und drüber, ausgerechnet in der Woche, wo man die Kurse wählen sollten, fielen die Rechner der Universität aus, aber unser Koordinator, der freundlich zu sein scheint, half uns und erledigte die Sachen der ERASMUS-Studenten vor den türkischen Studenten.

Anschließend fing die erste Woche der Uni an und es erwartete mich schon die nächste Überraschung. Fast in jeder Vorlesung in der ich war  saß kein anderer Student, geschweige denn dass der Professor kam. Angeblich halten die Professoren in der ersten Woche keine Vorlesungen, so dass auch keine Studenten zu den Vorlesungen kommen.

Doch das passte mir sehr gut, da ich Istanbul erkunden und neu entdecken konnte. Ich machte mich auf zu Aya Sofia, Sultanahmet Pierre Loti, Grand Bazar, Cisterna Basilica und zu dem größten Einkaufszentrum Europas Cevahir.

An den Touristenorten war es so sauber und so gepflegt, die Menschen so zuvorkommend. Aber eine Straße oder eine Gasse weiter lagen Häuser in Trümmern oder waren noch nicht fertiggebaut. Doch unfertige Häuser oder Häuser in Trümmern ist meiner Meinung nach das geringste Übel, wenn man dann noch überall die Bettler sieht. Ich rede hier nicht nur von älteren Menschen, sondern auch schon von kleinen Kindern. Wo ich mir dann auch denke, man kann doch nicht von sozialer Gerechtigkeit reden, wenn Kinder betteln gehen müssen. Das ist und kann doch nicht das sein, was das Kind sein ausmacht. Eine Schwarz-Weiß Malerei, wo jeder hinschaut, aber zugleich auch wegschaut.

Abends trafen wir, Erasmus Studenten, uns hin und wieder mal, tranken feierten und alberten rum. Allerdings muss auch ein lustiger und schöner Abend immer zu Ende gehen.

Zudem habe ich mich mit einem Kindheitsfreund aus Deutschland, der auch in Istanbul lebt, in Taksim getroffen. Als wir die Istiklal Caddesi runtergingen, fuhr an uns ein Polizeiwagen mit einem Wasserwerfer vorbei. In diesem Moment habe ich gar nicht daran gedacht, dass eine Demonstration stattfinden könnte. Aber im nächsten Augenblick ,als eine Menschenmasse uns entgegengelaufen kam, habe ich meinen Freund gepackt und ihn in eine Seitenstraße gezogen und wir haben uns in ein Cafe gesetzt. In diesem Moment wusste ich, was die Zivilisten in Istanbul durchmachen müssen.

Die Vorlesungen fingen endlich auch mal an. Ich lernte einige türkische Studenten kennen, aber als ich mich mit denen einige Minuten unterhielt, kam sofort die Aussage: „also bist du ein Almanci“. Almanci nennt man die Türken in Deutschland. Jedes Mal habe ich darüber gelacht. Und wieder bestätigten mir, Menschen aus anderen Kulturen das Schubladen denken.

Zurück zu den Vorlesungen, außerdem unterhielt ich mich mit den Professoren, weil die Studenten hier eine sehr persönliche Beziehungen zu den Studenten haben. Ich schilderte ihnen meine Lage, dass ich türkisch Reden kann, aber die von mir nicht die gehobene juristische Sprache erwarten können, weil ich besser Sprechen als Schreiben kann. Hinzu kommt auch, dass ich noch nie die türkische Grammatik gelernt habe. Um dies zu verbessern, besuche ich einen türkischen Kurs.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es mir hier bis jetzt sehr gefällt und hoffe auch, dass es so bleibt.

Euer Kerim ;D