InteGREATer erzählen…

…und berichten, wie es ihnen auf ihrem Bildungsweg ergangen ist.  Heute schreibt Onur aus unserer Bonner Gruppe darüber, wie es ist, als einziger Schüler mit Migrationshintergrund in einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz zur Schule zu gehen:

Ich habe einen türkischen Migrationshintergrund, da meine Eltern aufgrund des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei in den  70er Jahren nach Deutschland kamen.

Ich wuchs in einem kleinen Dorf mit etwa 300 Einwohner in Rheinland-Pfalz auf. Insgesamt war es dort sehr ruhig und die nächste Stadt lag 30 km weit entfernt. Wir waren die einzigen Bürger mit türkischem Migrationshintergrund, die dort lebten. Unser Umfeld bestand ausschließlich aus Deutschen. Als ich noch ein Kind war mussten unsere Nachbarn auf mich aufpassen, da meine Eltern am Fließband in einer Fabrik arbeiten mussten. Ich habe mich an die Gegebenheiten angepasst und kam gut mit meinem Umfeld zurecht.

In der Grundschule änderte sich mein Umfeld nicht. Die meisten Schüler kamen aus dem Dorf wo ich lebte oder aus der Umgebung.

Anfangs habe ich die Schule nie ernst genommen. Ich habe öfters den Unterricht gestört, Hausaufgaben nicht gemacht und habe kaum für Klassenarbeiten gelernt. Mein Grundschulzeugnis fiel entsprechend schlecht aus und meine Eltern schickten mich auf die Hauptschule.

Später hatte ich das Gefühl, nichts besonderes zu sein. Ich habe es oft erlebt, dass andere Schulkinder, Bekannte und Verwandte bewundert wurden weil sie bessere Noten, einen besseren Abschluss oder einen angesehenen Job hatten. Keiner ahnte damals was dies in mir auslöste. Der Gedanken „Was die können, kann ich auch!“ hat mich angetrieben und meine Aufmerksamkeit galt ab sofort der Schule. Teilweise habe ich ganze Nächte damit verbracht, Bücher zu verschlingen. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Jede gute Note (ein Erfolgserlebnis) hat mich dazu bestärkt weiter zu machen und nicht aufzugeben, auch wenn es mir manchmal sehr schwer fiel.

Meine Eltern konnten mir zwar nicht aktiv helfen, wussten aber um die Bedeutung der Bildung. Sie haben mich bei meinem Bildungsweg unterstützt und  jeder meiner Entscheidungen respektiert. Mit meinem Ehrgeiz gelang es mir von der Hauptschule doch noch zu einem Hochschulstudium zu kommen.

Ich bin InteGREATer, weil ich jungen Menschen dazu ermutigen möchte, ihr eigenes Potenzial zu erkennen. Sie sollten ihr Potenzial auf Ihrem Karriereweg voll ausschöpfen. Dabei spielt die Herkunft und der Bildungsweg, um sein eigenes Ziel zu erreichen, keine Rolle.