InteGREATerin Lisa stellt ihr Heimatland Russland vor!

Unsere InteGREATerin Lisa stellt heute ihr Heimatland Russland vor. In diesem Bericht geht es um das was Russland für sie ausmacht und um die kulturellen Besonderheiten ihres Landes. Viel Spaß!

…Als Tourist wird man das Untenstehende niemals mitbekommen (weshalb ich diesen Artikel auch verfasste 😉 ). Deswegen ist Russland immer einen Besuch wert!  Die kulturellen Besonderheiten Russlands sind das, was für mich Russland ausmacht und das, was Russland vereint.

Russland ist gigantisch. Seine Fläche umfasst elf Zeitzonen und ca. zehn Flugstunden von einem Ende zum anderen. Zeitschriften wie z.B. die Cosmopolitan (Glamour, Vogue, Elle und alles andere gibt es natürlich auch) werden in jeder Großstadt in einer eigenen Edition herausgegeben. Und Moskau ist so überbevölkert, dass vor ein paar Jahren eine zweite Stadtvorwahl eingeführt werden musste.

Russische Küche

Russisch Brot und der Russische Zapfkuchen haben in Wirklichkeit rein gar nichts mit Russland zu tun – das hattet ihr bestimmt schon im Verdacht 😉 Was die russische Küche jedoch stattdessen ausmacht, wissen viele nicht.

Unter den wichtigsten sind zu nennen:

Bortsch à Suppe aus roter Beete und Rindfleisch.
Buchweizen à Sehr schwierig zu beschreiben…stellt euch braunen Cuscus vor. So ungefähr… Schmeckt besonders mit angebratenen Zwiebeln 1A!
Salat Olivier à Der Traditionssalat für alle Feierlichkeiten. Wurststückchen, gekochte Erbsen, Karotten und Kartoffeln, saure Gurken – alles in Mayonnaise.
Pelmeni à russische Version der Tortellini mit Fleisch. Normalerweise wir von ihnen viel auf einmal gemacht und dann eingefroren. Ich esse sie immer, wenn ich keine Lust habe, frisch zu kochen J

Suppen spielen grundsätzlich eine große Rolle in der russischen Küche. (Möglicherweise haben wir das dem dortigen Klima zu verdanken.) Russische Omas in Deutschland sind allesamt sehr besorgt um die Ernährung ihrer Enkel 😀 Für Sie scheinen Suppen einfach überlebenswichtig, während sie auf den Speisenplänen der Mensen eher zweitranging sind.

Ein ordentliches Mittagessen besteht aus einer Suppe, einem Gang mit Fleisch/Fisch und einer Beilage und einem Dessert. In Russland ist es normal mit Haferbrei (und z.B. Früchten) zu frühstücken. Anders als in Deutschland ist Kavier in Russland keine exquisite Delikatesse, sondern fester Bestandteil eines jeden Festtisches.

Kulturelle Besonderheit

Was man als Europäer bei einem Russlandbesuch wohl als erstes bemerkt, ist, dass Russen selten lächeln. Was aber nicht daran liegt, dass sie als Nation allesamt missgelaunt sind. Während in Deutschland das Lächeln z.B. bei jedem Einkauf dazugehört, aber nichts bedeutet, lächeln die Russen (tendenziell) nur dann wenn sie es ernst meinen und ihre aufrichtige Sympathie vermitteln wollen.

Die russische Kultur ist eher kollektiv (wie z.B. die chinesische) als individualistisch (wie z.B. die deutsche), womit sich unsere kommunistische Vergangenheit erklären lässt. So wie in vielen anderen Kulturen auch, haben Familie und Gastfreundschaft in Russland einen höheren Stellenwert als in Deutschland. So ist beispielsweise bezeichnend, dass es im Russischen keine direkte Übersetzung für das Wort „Privatsphäre“ gibt.

In Wirklichkeit sind Russen sehr warmherzig. Und der zuvor grimmig guckende Fremde stellt sich womöglich als extrem hilfsbereit heraus, sobald man ihn anspricht.

Frauenbild Russland

Sehr schwieriges Thema weil ich hier ein wenig zwischen den Stühlen sitze. Und weil es tatsächlich große Unterscheide gibt. Grundsätzlich ist das Frauenbild in Russland weiblicher. Dementsprechend schminken sich Russinnen mehr und tragen öfter lange Haare, Röcke und hohe Schuhe. „Die elegante, intelligente, schutzbedürftige Lady, die später zur treusorgenden Frau und Mutter wird“ – so kann man, glaube ich, das Ideal der russischen Männer beschreiben. Diese sind im Übrigen auch mehr gentleman-like. Im Alltag würde jeder Mann einer Frau dabei helfen ihren Koffer in den Zug zu heben, ohne(!!), dass man ihn auch nur darum bitten muss. Bei Dates übernehmen Sie die Rechnung, schenken Blumen. Traditioneller geht es in Russland also zu, was Beziehungen angeht. Da man die Schule früher beendet (es gibt nur 10 Klassen, dafür ist die Schulausbildung viel intensiver – das ist eigentlich ein separates Thema) und damit auch das Studium, stehen Russen früher auf ihren eigenen Beinen und heiraten dementsprechend mit ca. 25.

Kurios wird dem westlichen (männlichen) Leser auch erscheinen, dass Russland an einem starken Ungleichgewicht von Frauen und Männern leidet. Wenn man in Russland feiern geht, erlebt man eine verkehrte Welt: Die Frauen müssen darauf achten, dass sie die richtigen Schuhe anhaben (High Heels!) und sich Sorgen machen, dass der Türsteher sie nicht reinlässt.

Deutsche Wörter im Russischen

Viele Wörter im Russischen sind aus dem Deutschen entlehnt. Die lustige Aussprache, mit der sie sich in der russischen Sprache eingebürgert haben, kann ich hier nicht rüberbringen, aber hier dennoch die Highlights:

-Butterbrot (wird pauschal für alle Arten von Sandwiches und belegten Broten verwendet)

-Buchhalter (wird „Bugalter“ ausgesprochen. Grundsätzlich wird das „h“ meist zu „g“ transformiert. Das ergibt dann so lustige Kreationen wie Garry Potter z.B. =) )

– Kurort

– Schnur

– Rucksack

Feiertage in Russland

Eine der Prämissen des Kommunismus ist, dass es keinen Gott gibt. Weil Russland 70 Jahre lang nach der kommunistischen Ideologie lebte, ging die Tradition, Weihnachten zu feiern dort verloren. (Eigentlich wurde sie eher gewaltsam abgeschafft.) Was man den Leuten jedoch ließ, ist ein jährliches Familienfest an sich. Und so verlegte man alle Attribute von Weihnachten -Tanne, Weihnachtsmann, Geschenke und Essen bis zum Umfallen- unter einem nicht-religiösen Vorzeichen auf Neujahr.

Es wird in jeder Familie ungefähr so gefeiert:  Am Abend des 31. 12. kommen alle zusammen. Man isst und wartet bis Mitternacht. Unabhängig von seiner geografischen Lage und politischer Gesinnung schaut man sich die Rede des Präsidenten an (als würde das neue Jahr sonst nicht eintreten! Aber ich untertreibe wirklich nicht, wenn ich sage, dass es zur Feier dazugehört.). Im Anschluss an die Rede wird im Fernsehen der Uhrturm des Kremls eingeblendet und die letzten zwölf Schläge des alten Jahres werden live übertragen. Beim zwölften Schlag stößt man an, mit den Worten: „Neues Jahr, neues Glück!“. Das Stattfinden des Geschenkeparts ist variabel J

Da wir im Ausland wohnen und dementsprechend eine Zeitverschiebung von zwei Stunden haben…heißen wir auch das Neue Jahr zwei Mal willkommen! Ironischerweise findet der wichtigere/emotionalere Teil um Mitternacht russischer Zeit statt, weil hier alle Verwandte in Russland angerufen werden.

Russland ist im Übrigen christlich-orthodox – genauso wie Griechenland. Religiöse Menschen, von welchen es nun mehr und mehr gibt, feiern Weihnachten. Jedoch ohne Geschenke und am 7. Januar. Das entspricht dem Julianischen Kalender.

Musik und Filmempfehlungen

Nein, Russland hat nicht nur Wodka als Entertainmentmittel zu bieten 😉 Wärmstens empfehlen kann ich folgendes:

  1. Musik: Max Korzh, Boombox, Gradusy (Pop). Okean Elsy, DDT, Mummy Troll, Zemfira, Splin, Bi2 (Rock), 5Nizza (Reggea)
  2. Nette Lektüre à la Anna Gavalda: (Achtung, furchtbare Übersetzung des Titels!) „Kalinka-Kalinka“ von Oksana Robski. #Liebe#Freundeschaft#Großstadt#unerwarteteWendung
  3. Für alle Fans des Science Fiction: Strugatsky Brüder sind Autoren der russischen Sci-Fi-Klassik. Ich persönlich habe es nicht gelesen, aber ich nehme an sie sind nicht umsonst berühmt.
  4. Klassik – leichte Kost: „Der Mantel“ (Bewegende Erzählung von Gogol. Wenn ihr irgendetwas aus dieser Liste wählen wollt, dann wählt das hier.), „Pique Dame“ (Spannende Erzählung von Pushkin, dem „russischen Goethe“)
  5. Filme: „Der Leviathan“ Drama über die triste Realität in Russland. Vielfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet, Oskarnominant. „Alisa, das Meermädchen“, auch bekannt als „Rusalka“ – Moderne, verträumte Liebesgeschichte in Anlehnung an H.C. Andersens Meerjungfrau.

Russen in Deutschland

Zuletzt ein Paar Worte zur russischen Community in Deutschland. Diejenigen, die hier als „die Russen“ gelten sind entweder: Russland-Deutsche oder russische Juden. Erstere wurden vor ca. 300 Jahren nach Russland eingeladen, um mit ihrem Know-How zur Entwicklung des Landes beizutragen. Da mit dem Zweiten Weltkrieg eine flammende (und natürlich absolut unfaire) Hasswelle auf die Nachkommen dieser Deutschen aufkam, wurde die Mehrheit von ihnen nach Kasachstan zwangsumgesiedelt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs konnten diese als „Spätaussiedler“ in ihr ursprüngliches Heimatland zurückkehren. Inzwischen sehr russifiziert, stehen sie jedoch genauso vor der Hürde der Integration wie alle anderen Migranten.

Die russischen Juden konnten ebenfalls nach dem Zerfall der Sowjetunion als Flüchtlinge vor dem Antisemitismus, der in der Sowjetunion auf Staatsebene praktiziert wurde, nach Deutschland kommen. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland bestehen aus verständlichen Gründen zu ca. 70% aus den sog. Kontingentflüchtlingen.

Einige deutsche Wörter, sind in den regelmäßigen Sprachgebrauch der hier lebenden Russen übergegangen. Allen voran das Wort „Termin“. Vielseitig verwendbar und ohne ein eindeutiges Pendent im Russischen, ist es logisch, dass es gerne benutzt wird. Was auf die restlichen, häufig substituierten Wörter (am beliebtesten sind: „Puten“, „Keller“, „Kuchen“ und „Reise“) nicht zutrifft.

Infokasten

Einwohnerzahl: ca. 150 Mio.
Größte Städte: Moskau (ca. 12 Mio), Petersburg (ca. 5 Mio), Novosibirsk (ca. 1,5 Mio), Jekaterinburg (ca. 1,5 Mio), Nizhniy Novgorod (ca. 1,3 Mio), Samara (ca. 1,2 Mio).
Wahrzeichen: Die Basilius Kathedrale in Moskau. Sie steht auf dem Territorium des Kremls (wie eine Stadtmauer mit einem Uhrturm), der auch ein Wahrzeichen Russlands darstellt. Außerdem würde ich gerne jedem ans Herz legen, nach Petersburg zu gehen. Die Stadt wurde nach dem Motto: „Was die Europäer können, können wir noch besser.“ erbaut (Ja, Russland wollte Europa schon immer in nichts nachstehen). Dementsprechend atemberaubend ist das Resultat. Die Innenstadt zumindest ist überwältigend prunkvoll. Gold und Stuck an jeder Ecke. Es mag Geschmackssache sein, ist aber auf jeden Fall sehenswert. Genau so wie in Paris, wurden um Petersburg herum Schlösser, Residenzen der Zaren (russ. Könige) erbaut. Diese sind auch mindestens genauso beeindruckend wie Versailles & Co.

Nächste Präsidentschaftswahlen: 2018

Lisa, InteGREATerin